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Hundekauf - was man vorher wissen sollte...
Tipps zum Hundekauf aus tierärztlicher und populationsgenetischer Sicht.

Wie kommt der Mensch auf den Hund ?


Vor etwa 15000 Jahren kam der Mensch auf den Hund. Zu dieser Zeit wurden die ersten Hunde als Haustiere in der Obhut des Menschen gehalten und gezüchtet. Seither verbindet Mensch und Hund eine lange gemeinsame Geschichte in der der Hund als Wachhund, Hütehund, Jagdhund, oder einfach als Begleithund oder Schoßhund das Leben des Menschen teilte.

Das Zustandekommen der Einzelbeziehung zwischen einem bestimmten Hund und einem bestimmten Menschen basierte wohl immer schon auf verschiedensten Mechanismen. Neben dem reinen Zufall war es in früheren Zeiten wohl in erster Linie der beabsichtigte Verwendungszweck der die Auswahl eines Hundes bestimmte. Aus den im Laufe der Zeit nach funktionellen Selektionskriterien entwickelten Hunderassen konnte sich jeder den für seinen Gebrauch am besten geeigneten Hund auswählen. Diesen fand der zukünftige Hundebesitzer am ehesten in seiner unmittelbaren Umgebung, sei es bei einem Züchter aus der Dorfgemeinschaft, sei es bei einem Züchter der gleichen Profession. So wurde ein künftiger Hütehund wohl am bestem bei einem Hirten erstanden, ein für die Jagd vorgesehener am besten bei einem erfolgreichen Jäger. Es gab aber auch schon recht früh so etwas wie eine Luxuszucht: Zwerghunde, wie z.B. Malteser, die als wertvolle Geschenke unter Fürsten galten, Doggen die nicht nur jagdlichen sondern aus repräsentativen Zwecken dienten und zu hohen Preisen gehandelt wurden.

Die in der jüngeren Vergangenheit aufkommende Liebhaberzucht veränderte sowohl die Selektionsbedingungen in der Hundezucht als auch die Auswahlkriterien bei der Anschaffung eines Hundes. So stand auf einmal nicht mehr die funktionelle Gebrauchsfähigkeit im Mittelpunkt des Züchter- oder Eignerinteresses sondern vielmehr die Begeisterung für ein möglichst ungewöhnliches Exterieur. Vom extremen Zwergwuchs bis zum Riesenwuchs, vom Schlappohr bis zur Stummelrute, von der Haarlosigkeit bis zur Faltenhaut und in den verschiedensten Farbvariationen fanden Hunde ihre Liebhaber.

Die Hunde wurden nicht mehr vor allem bei Züchtern aus der näheren Umgebung sondern je nach Vorliebe und Geldbeutel aus den verschiedensten Quellen erstanden. In vielen Fällen schaltete sich der Zwischenhandel z.B. in Form von Tierhandlungen ein. Hunde wurden nicht mehr nur nach gezielter Auswahl für einem bestimmten Zweck erstanden sondern oft als Spontanentscheidung, z.B. weil der Welpe in der Auslage so herzig war. Heute ist es sehr oft die Medienwerbung die die Entscheidung für eine bestimmte Rasse begründet. West Highland White Terrier, Berner Sennenhunde und Golden Retriever wurden nicht zuletzt zu Modehunden weil die Hundefutterwerbung mit ihnen um Marktanteile kämpfte. Auch Kino- und Fernsehfilme sind für das Kaufinteresse an bestimmten Rassen verantwortlich. Angefangen mit Lassie über Boomer bis zum Kommissar Rex waren hundliche Filmstars Trendsetter für Moderassen.

Es sind vor allem Hundeneulinge die sich durch das filmisch vermittelte Image eines Einzelhundes für eine Rasse begeistern. Dabei sind Enttäuschungen kaum zu vermeiden denn nur in den wenigsten Fällen entspricht der schließlich gekaufte Hund den Erwartungen die aufgrund seines filmischen Vorbildes in ihn gesetzt werden.

Seit der öffnung des Ostens werden sehr viele Hunde aus Billigimporten erstanden wobei wieder vor allem Hundeneulinge auf Angebote aus Zeitungsinseraten reagieren in denen Hunde aus aktuellen Moderassen zu besonders günstigen Preisen angeboten werden. Das vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich dann sehr oft als kostenintensiver Dauerpatient oder als verhaltensgestörter Problemhund.

Aber auch erfahrene Hundeleute die sich aus durchaus rationalen Gründen für eine bestimmte Rasse entschieden haben stehen oft vor dem schwierigen Problem der Auswahl eines Hundes der den Anforderungen nach Gesundheit und Wesensfestigkeit entspricht. Genetisch bedingte Defekte und Krankheitsdispositionen sind in vielen Hunderassen verbreitet. Durch rezessive Genwirkungen der Defektgene, unterschiedliche Manifestationszeiten und unterschiedliche Heritabilität der Defekte sieht man dem Welpen meist nicht an welche Krankheiten er möglicherweise einmal bekommen kann. Bei manchen Rassen ergeben sich Krankheitsdispositionen allerdings direkt aus dem gewünschten Rassestandard so dass bei diesen Rassen der Käufer wissen sollte auf welche Gesundheitsrisiken für den Hund er sich einlässt, - mit allen Folgen die dies für den Hund und seinen Besitzer bedeuten.

Dieser Artikel ist gedacht als informative Entscheidungshilfe für potentielle Hundekäufer wobei einerseits dem Hundeneuling geholfen werden soll Fehler zu vermeiden, anderseits auch der erfahrene Hundebesitzer Tipps bekommen soll wie er mit möglichst großer Wahrscheinlichkeit einen gesunden Hund bekommt.


Vorüberlegungen


Die Entscheidung sich einen Hund anzuschaffen ist eine Entscheidung die das Leben für die nächsten 10 bis 15 Jahre ganz entscheidend beeinflusst. Sie sollte daher nicht aus einer spontanen Laune heraus gefällt sondern gut überdacht werden.

1. Gewissensfragen

Bevor man sich grundsätzlich für einen Hund entscheidet, sollte man sich einige Fragen ehrlich beantworten.

* habe ich in den nächsten Jahren voraussichtlich genügend Zeit um die Ansprüche eines Hundes an Zuwendung, Beschäftigung und Bewegung zu erfüllen?
* gibt es bekannte Gründe, die gegen die Anschaffung eines Hundes sprechen wie z.B. Hundehaltungsverbot in der Wohnung, Tierhaarallergie eines Familienmitgliedes?
* bin ich bereit dem Hund zuliebe Kompromisse in anderen Dingen des Lebens einzugehen wie z.B. Planung von Urlaubsreisen, Hundehaare auf dem Teppich?
* habe ich genügend Geld um für die Bedürfnisse des Hundes wie Futter, Impfungen, tierärztliche Untersuchungs- und Behandlungskosten aufkommen zu können?

Die Notwendigkeit dieser Fragen impliziert auch, dass die Entscheidung zur Anschaffung eines Hundes eine persönliche Entscheidung sein muss. Hunde sollten daher niemals als Geschenke gekauft werden.

2. Rassehund oder Mischling ?

Ein guter Hund muss nicht unbedingt ein Rassehund sein. Mischlinge können bezaubernde, wesensfeste und gesunde Hunde sein und sie haben gegenüber dem Rassehund sicherlich einen großen Vorteil: Sie sind im allgemeinen billiger. Wenn man aber davon ausgeht dass der Kaufpreis nur einen Bruchteil der Kosten ausmacht die im Laufe eines Hundelebens anfallen dann sollte der Kaufpreis nicht an erster Stelle der Überlegungen stehen. Denn der Kauf eines Rassehundes hat durchaus einige Vorzüge.

Der größte Vorzug ist wohl dass man weiß wie der Hund als Erwachsener einmal ausschauen wird. Bei Mischlingen kann man das nie so genau wissen. Bei Rassehunden lassen sich auch in etwa bestimmte Wesensmerkmale vorhersehen die sich auf der Basis einer leistungsorientierten Selektion im Lauf der Domestikation entwickelt haben. Die in diversen Rassebüchern aufscheinenden Beschreibungen nach denen ja wohl jede Hunderasse kinderlieb, intelligent und wesensfest ist sind sicherlich mit einiger Vorsicht zu betrachten denn der endgültige Charakter und das endgültige Wesen eines Hundes werden sehr viel mehr durch seine Umgebung geprägt als durch seine Rassezugehörigkeit.

Nichtsdestoweniger kann bzw. muss man bei bestimmten Rassen mit bestimmten Wesensgrundzügen rechnen. So zeichnen sich z.B. alle Jagdhunderassen durch einen mehr oder weniger ausgeprägten Jagdtrieb aus, viele Terrier durch ein ausgeprägtes Temperament, Spitze sind als bellfreudig und wachsam bekannt etc. Diese Wesensgrundzüge ergeben sich auf der Basis früherer oder aktueller Selektion auf bestimmte Verwendungen. Es ist daher in jedem Fall sinnvoll, sich mit der ursprünglichen oder auch heutigen praktischen Verwendung der Wunschrasse auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu bedenken, dass bei jeder Rasse, die ursprünglich zu Arbeiten, die mit Bewegung verbunden sind, herangezogen wurde, Bewegungsfreude ein wichtiges Selektionsziel war. Hunden solcher Rassen muss man dann auch wenn sie nicht mehr für die ursprünglichen Aufgaben herangezogen werden die ihnen entsprechende Bewegungsmöglichkeit bieten. Tut man das nicht sind Verhaltensprobleme vorprogrammiert.

Auch den in den Rassebeschreibungen erscheinenden Attributen wie z.B. "lebhaft", "ruhig" oder "wachsam" sollte man mit Skepsis begegnen denn das verständliche Engagement von Züchtern und Haltern für "ihre Rasse" verstellt wohl gelegentlich den Blick für die Realitäten. So mag sich denn der vermeintlich lebhafte und wachsame Hund als nervöser Nervling herausstellen der den lieben langen Tag nichts besseres zu tun hat als die Grundstücksgrenze abzupatroullieren und jeden zu verbellen der sich nur in dessen Nähe wagt und der vermeintlich ruhige Hund mag sich als Phlegmatiker erweisen der nur mit dem Futternapf vom Sofa zu locken ist.

Bei Mischlingen können sich Wesensmerkmale der Ausgangsrassen überlagern und unter Umständen zu einer problematischen Kombinationen von Charakterzügen führen.

Es gibt allerdings eine Gruppe von Mischlingen für die die genannten Vorbehalte nicht oder nur bedingt zutreffen. Das sind solche Hunde deren beide Eltern oder ggf. auch Großeltern bekannt und reinrassig sind. In diesen Fällen kann man zumindest für die Exterieurmerkmale, also Größe, Haarkleid, Farbe etc. recht genaue Vorhersagen für die Nachkommen treffen. In manchen Fällen werden solche Kreuzungen auch ganz bewusst gemacht um positive Eigenschaften der Eltern in den Nachkommen zu kombinieren. So werden z.B. in einigen Ländern systematisch Kreuzungen von Golden Retriever und Labrador Retriever für die Verwendung als Blindenhunde gezüchtet.

Die den Mischlingen oft nachgesagte bessere Gesundheit trifft nur bedingt zu. Bei Mischlingen ist zwar mit weniger Inzuchtschäden zu rechnen da ihre Eltern in den meisten Fällen nicht miteinander verwandt sind. Dennoch können auch Mischlinge von ihren Eltern gleiche Defektgene erben so dass es zum Auftreten des Defekts auch beim Mischling kommen kann. Dies trifft vor allem für solche Erbkrankheiten zu die in vielen Hunderassen stark verbreitet sind. Aber auch Erkrankungen, die auf extremen Körperformen oder -maßen beruhen, treten bei Mischlingen mit entsprechenden Merkmalen ebenso auf. So wird der großwüchsige Mischling die gleichen Dispositionen zu degenerativen Gelenkserkrankungen haben wie der großwüchsige Rassehund und der Zwergwüchsige Mischling wird ebenso wie der zwergwüchsige Rassehund an Patelallaluxation, Trachealkollaps und Femurkopfnekrose erkranken können.

3. Welche Eigenschaften soll der Hund haben ?

Hunde sind sicherlich die Spezies mit der größten Variation in Bezug auf Aussehen, Körperform, Fell und Farbe aber auch hinsichtlich von Verhaltensdispositionen. Zwischen den Rassen zeigen sich teils extreme Unterschiede. Welche Variante dem potentiellen Hundekäufer gefällt ist dabei sicherlich erstmal eine Frage des persönlichen Geschmackes. Und Schönheit liegt ja bekannter weise im Auge des Betrachters. Man sollte aber auch bedenken dass unterschiedliche Rassen recht unterschiedliche Ansprüche an Haltung und Pflege haben. Dabei sind vor allem folgende Aspekte zu bedenken:

* Größe:
Große Hunde brauchen mehr Futter als kleine Hunde was u. A. finanzielle Konsequenzen hat. Sie produzieren aber auch mehr Kot als kleine. Das kann vor allem im städtischen Umfeld zum Problem werden. Und wenn große Hunde mal in der Wohnung Durchfall haben oder erbrechen müssen dann ist das Wegputzen und Entsorgen der Ausscheidungen nicht unbedingt jedermanns Sache. Im Krankheitsfall verursachen sie im Vergleich mit kleinen Hunden höhere Kosten für Diätätika oder Medikamente da diese oft gewichtsabhängig dosiert werden.
Große Hunde brauchen mehr Platz als kleine was sowohl den in der Wohnung als auch im Auto und ggf. den im Zwinger betrifft. Schon ein mittelgroßer Hund beansprucht in einem Auto den Platz eines Erwachsenen, eine Dogge oder eine Irischer Wolfshund deutlich mehr. Der arttypische Geruch von Hunden ist wegen der größeren Körperoberfläche auch von seiner Größe abhängig was sich besonders an Regentagen bemerkbar machen kann. Entsprechendes gilt für die Fellpflege.

*Pflege:

Das Haarkleid des Hundes bedarf einer regelmäßigen Pflege. Vernachlässigt man diese kommt es insbesondere bei langhaarigen Hunden mit zotteligem Fell zur Bildung von Verfilzungen deren Entfernung für den Hund recht unangenehm werden kann. Im schlimmsten Fall müssen solche Hunde sogar geschoren werden. Langhaarige Hunde entwickeln bei unzureichender Pflege darüberhinaus oft einen recht unangenehmen Geruch. Außerdem kann mangelhafte Fellpflege auch die Grundlage für entzündliche Hauterkrankungen sein

Hunde verlieren ihre Haare. Ob es zu einem zweimaligen Haarwechsel im Jahr kommt oder der Hund ständig Haare verliert ist abhängig von Rasse und Lebensverhältnissen. Hunde die den Witterungsverhältnisse nur wenig ausgesetzt sind neigen zu ständigem Haarwechsel. Bei langhaarigen Hunden mit dichter Unterwolle die sich zudem noch viel im Freien aufhalten konzentriert sich das eher auf wenige Wochen im Frühjahr und im Herbst.

Haare von langhaarigen Hunden lassen sich meist besser von Teppichen, Möbeln, Kleidung etc. entfernen als die von kurzhaarigen die dazu neigen an Stoffen penetrant haften zu bleiben. Einzelne Rassen, wie z.B. der Pudel oder rauhaarige Terrier machen keinen Haarwechsel durch. Dafür müssen sie aber geschoren oder getrimmt werden was regelmäßige kostenintensive Besuche im Hundesalon notwendig macht. Manche Hundebesitzer scheren allerdings ihren Hund einmal jedes Jahr selber und sind auch glücklich damit.

Das Trimmen eines grossen Terriers oder Scheren eines Pudels ist sicherlich nicht einfach, vom Stylen eines Yorkshires oder Scotch Terriers einmal ganz abgesehen. Hier einmal zur Einstimmung einige Preise aus dem Jahre 2004 einer Wiener Tierklinik falls man das nicht selbst machen kann oder will. Die Preise beinhalten Baden, Fellpflege bzw. Trimmen und ggf. scheren und stylen. Insbesondere beim letzteren kommt es natürlich ganz auf die individuellen Ansprüche an.

Bei einigen Rassen müssen regelmäßig die Krallen beschnitten werden, bei anderen die Gehörgänge gereinigt oder Haare aus den Ohren ausgezupft werden. Manche Hunde, und besonders solche mit lockerer Kopfhaut, neigen zum Sabbern. Dies kann im Zusammenhang mit Futterwünschen aber auch unabhängig davon auftreten. Die teils nicht unbeträchtlichen Mengen an zähem Speichel die dabei entstehen werden dann oft durch Kopfbewegungen weggeschleudert und landen auf Kleidung, Möbeln, etc. Und Hunde differenzieren dabei nicht zwischen ihren Besitzern (die vielleicht noch bereit sind, den "Segen" hinzunehmen) und Besuchern oder Fremden die das verständlicherweise meist nur unappetitlich finden.

*Krankheitsdipositionen:

Jeder wünscht sich einen gesunden Hund. Lebenslange Gesundheit ist allerdings keine Selbstverständlichkeit und insbesondere bei Rassenhunden sind in z.T. erschreckendem Ausmaß zahlreiche Erbfehler und genetische Dispositionserkrankungen bekannt. Bei der Wahl der Rasse sollte man daher in jedem Fall die im weiteren diskutierten Gesundheitsrisiken berücksichtigen.

*Bewegung:

Hunde sind Lauftiere und als solche brauchen sie ein gewisses Ausmaß an Bewegung um gesund zu bleiben. Große Hunde brauchen zwar nicht absolut mehr Bewegung als kleine, für diese bieten sich aber meist mehr Möglichkeit um ihnen die notwendige Bewegung zu verschaffen. Bestimmte Rassen haben zudem ein besonders hohes Bewegungsbedürfnis das sich aus ihrem ursprünglichen Verwendungszweck ergibt, z.B. alle Hütehundrassen, Jagdhunde und Windhunde. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt kann es zu massiven Verhaltensproblemen kommen.

*Soziale Verträglichkeit:

Soziale Verträglichkeit ist die Voraussetzung für ein unproblematisches Zusammenleben sowohl zwischen Menschen und Hunden als auch Hunden und anderen Tieren. Das ist für eine Spezies bei der sowohl in der natürlichen Selektion als auch im Rahmen der Domestikation ein recht hoher Selektionsdruck auf Merkmalen wie Aggressivität und Dominanz lag nicht ganz einfach.

Verhaltensmerkmale sind in gewissem Ausmaß genetisch bedingt und so zeigen sich bei bestimmten Rassen auch bestimmte Verhaltensdispositionen. Das heißt aber nicht dass jeder Hund der jeweiligen Rasse dieses Verhalten in gleichem Ausmaß oder auch überhaupt zeigt. Es bedeutet nur dass bei diesen Hunden bestimmtes Verhaltensweisen mit größerer Wahrscheinlichkeit auftreten sofern diese durch Situation und/oder Sozialisation gefördert werden. Die entscheidende Rolle bei Entwicklung und Erhalt sozialer Verträglichkeit spielt der Mensch, sei es als Züchter, der für die erste Sozialsierung verantwortlich ist, sei es als Besitzer und Halter, der die weitere Sozialisierung und Erziehung des Hundes übernimmt. Fehler in diesen Bereichen können aus jedem Hund einen sozial unverträglichen Problemfall machen was Hund, Halter und soziale Umwelt unnötigerweise stresst und im Extremfall sogar gefährdet.

Diese Problematik zeigt sich insbesondere in der seit einigen Jahren immer wieder auftretenden und durch Medien und einige Gesetzgeber geschürten "Hundehysterie" durch die Hunde bestimmter Rassen sowie deren Besitzer geradezu kriminalisiert werden. Es ist grundsätzlich nicht richtig dass, wie diese Gesetzgeber und nicht wenige hundeängstliche Menschen annehmen, Hunde bestimmter Rassen a priori besonders gefährlich sind. Dazu spielen Umwelteinflüsse bei der Entwicklung des Verhaltens eine viel zu große Rolle. Vielmehr wird hier aus dem Einzelfall des individuellen Versagens von Züchtern, Haltern und ggf. auch von Exekutivorganen eine ganze Gruppe von Hunderassen und deren Besitzer in hohem Maße diskriminiert. Es ist schlichtweg nicht nachzuvollziehen das z.B. ein gut geführter AmStaff gefährlicher sein soll als ein deutscher Schäferhund oder auch ein Mischling. Vielmehr verweist uns diese Diskussion darauf dass praktisch jeder größere Hund unter unangemessenen Soizialisations- und Haltungsbedingungen gefährlich werden kann, - kann, nicht muss! Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Züchters und Halters dafür Sorge zu tragen dass dies nicht der Fall ist.

Die charakteristischen Eigenschaften einer Hunderasse lassen sich recht gut aus ihrem ursprünglichen Verwendungszweck ableiten. Allerdings unterliegen Eigenschaften die nicht ständig züchterisch bearbeitet werden der genetischen Drift, d.h. dass sie durch zufällige genetische Veränderungen modifiziert oder abgeschwächt werden bzw. ganz verschwinden. Dies hat z.B. dazu geführt dass man bei einigen Rassen, beispielsweise den Retrievern, zwischen sogenannten Show- und Arbeitslinien differenzieren kann die sich nicht nur im Exterieur sondern auch im Verhalten unterscheiden sollen. Andere Rassen haben sich soweit verändert dass von ihren ursprünglichen Typus nichts oder nur wenig übrig geblieben ist, - einige auch bis hin zur Karikatur ihrer selbst.


Wo kann man einen Hund kaufen ?


1. Bei einem Züchter

Hundezucht ist in Österreich und den meisten anderen Ländern nicht gesetzlich geregelt. Grundsätzlich kann jeder züchten was und wie er will. Die meisten Hundezüchter sind aber in Hundezuchtverbänden organisiert. Die Organisation von Hundezuchtverbänden ist ebenfalls nicht gesetzlich geregelt. Nichtsdestoweniger gibt es auf internationaler Ebene eine Organisationsstruktur die auch für bestimmte Verbände auf nationaler Ebene verbindlich ist. Der internationale Dachverband für Hundezucht ist die FCI (Federation Cynologique International). Die FCI erkennt in jedem Land nur einen nationalen Zuchtverband als Mitglied an. Der in österreich von der FCI anerkannte Hundezuchtverband ist der öKV (österreichischer Kynologen Verband) der sich als Dachverband für diverse Rassezuchtverbände versteht. Der öKV gibt für die ihm angeschlossenen Rassezuchtverbände eine Rahmenzuchtordnung vor, die als züchterischer Mindeststandard gilt und von den einzelnen Rassezuchtverbänden noch verschärft werden kann.

Der öKV führt das Zuchtbuch für alle ihm angeschlossenen Zuchtverbände, organisiert Ausstellungen, bildet Formwert- und Leistungsrichter aus und veranstaltet regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für Züchter. Der dem öKV angeschlossene öGV (österreichischer Gebrauchshundeverband) ist für Hundeausbildung und Hundesport zuständig und bietet österreichweit auf verbandseigenen Plätzen Ausbildungskurse von der einfachen Begleithundeausbildung über Agility bis zur Schutzhundeausbildung.

Züchter die Mitglied beim öKV sind verpflichten sich zu bestimmten Handlungen und Unterlassungen. So werden Welpen von öKV-Züchtern z.B. nur vollständig geimpft abgegeben und dürfen nicht über Tierhandlungen verkauft werden. Die Haltungs- und Aufzuchtbedingungen der Welpen werden durch die Zuchtwarte kontrolliert sodass eine artgerechte Entwicklung der Welpen zu erwarten ist. Eine möglichst artgerechte Aufzucht der Welpen, speziell in den ersten acht bis zehn Lebenswochen, ist für die spätere Mensch-Hund- Beziehung außerordentlich wichtig denn nur Welpen die in dieser Zeit in möglichst intensivem Kontakt zu ihrer Mutter, ihren Geschwistern und zum Menschen aufwachsen sind später in der Lage, sich problemlos in das "menschliche Rudel" einzuordnen. Fehler, die in dieser wichtigen Sozialisierungsphase bei der Welpenaufzucht gemacht werden, lassen sich später praktisch nicht mehr wirklich korrigieren. Nicht artgerechte Aufzuchtbedingungen sind daher eine der Hauptursachen für Problemhunde.

Neben dem öKV und den ihm angeschlossenen Rassezuchtverbänden gibt es noch diverse andere Zuchtverbände deren größter die österreichische Hundeunion ist, die ebenfalls als Dachverband diverser Rassezuchtverbände fungiert. Diese Zuchtverbände entstehen oft als Dissidenzverbände wenn Züchter mit Bestimmungen des öKV-Zuchtverbandes nicht einverstanden sind oder bisweilen einfach auf der Basis zwischenmenschlicher Probleme zwischen Mitgliedern eines Verbandes. Auch in diesen Zuchtverbänden gibt es Regeln und Bestimmungen denen sich die Mitglieder unterwerfen. Diese sind aber uneinheitlich und besonders für den Hundeneuling oft schwer zu überblicken. Welpen, die z.B. in Tierhandlungen um relativ teures Geld "mit Papieren" angeboten werden, stammen immer aus nicht dem öKV angeschlossenen Zuchtverbänden. Damit ist keinerlei Information über die züchterischen Grundlagen in der Population aus der ein Welpe stammt gegeben wie z.B. über Selektion gegen Erbfehler, Wesensselektion, Leistungsselektion, etc. Böse Überraschungen erleben Käufer solcher Hunde auch wenn sie später mit dem Hund auf eine Ausstellung gehen wollen und erfahren müssen dass das Abstammungspapier das sie für ihren Hund bekommen haben vom öKV nicht anerkannt wird oder wenn sich im Lauf des Wachstums herausstellt dass der Hund nur wenig der Rasse gleicht zu der er laut Ahnentafel gehören sollte.

2. In einer Tierhandlung:

Speziell für Hundeneulinge ist die Tierhandlung eine sehr naheliegende Anschaffungsmöglichkeit. Sei es dass man sich spontan zum Kauf des so herzigen Welpen entschließt, sei es dass man den netten Hund aus der Fernsehwerbung oder aus der Fernsehserie auf einmal in Natura vor sich sieht. Bisweilen verleitet die Tierhandlung auch zu unbedachten Geschenksideen. Der Kauf eines Hundes in einer Tierhandlung birgt aber eine Reihe von Risiken, die auch von seriösen und bemühten Tierhändlern nicht ganz ausgeschaltet werden können.

* Die Herkunft des Hundes

Seriöse Züchter verkaufen ihre Welpen nicht an Tierhandlungen da sie sich die künftigen Besitzer ihrer Welpen im allgemeinen sehr genau anschauen und auch nicht an jeden Interessenten Welpen abgeben. Welpen die in Tierhandlungen angeboten werden stammen daher meist von Züchtern die entweder gar keinem oder einem der vielen Dissidenzverbände angehören. Es ist daher üblicherweise nicht nachvollziehbar ob bzw. nach welchen Selektionskriterien die Welpen gezüchtet worden oder unter welchen Bedingungen die Welpen aufgezogen worden sind.

* Infektionsgefahr

Tierhandlungen sind in gewisser Weise Umschlagplätze für Infektionserkrankungen. Besonders wenn Welpen aus verschiedenen Würfen von verschiedenen Züchtern zur gleichen Zeit auf einen Käufer warten besteht die Gefahr der Übertragung einer Infektionserkrankung. Je länger ein Welpe in der Tierhandlung bleibt, umso größer ist die Gefahr einer Ansteckung. Leider sieht man den zum Kauf angebotenen Welpen nicht immer an ob und welche Krankheit sie in sich tragen da während der Inkubationszeit einer Erkrankung das betroffene Tier äußerlich noch gesund wirkt.

3. Über Inserate

Einerseits in der Tagespresse anderseits in speziellen Anzeigenzeitschriften finden Interessenten oft scheinbar günstige Angebote. Da wird z.B. ein Hund einer Moderasse von dem man weiß, dass er beim Züchter nicht unter 1000.- Euro zu bekommen ist um 300 Euro angeboten. Bei solch "günstigen Angeboten" ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Sehr oft stammen solche Hunde aus illegalen Importen aus dem ehemaligen Ostblock. Dort werden z.B. von Landwirten im Nebenerwerb Hunde als Massenprodukt gezüchtet. Der Züchter betrachtet die Mutterhündinnen im allgemeinen nur als Geldquelle und hat von artgerechter Haltung und Aufzucht von Hunden kaum Ahnung. Nicht nur dass diese Welpen häufig unter völlig unzureichenden und unhygienischen Bedingungen aufwachsen werden sie oft auch viel zu früh von der Mutterhündin weggenommen und haben somit zu wenig Gelegenheit den Umgang mit anderen Hunden und mit dem Menschen zu lernen. Der Transport nach österreich wird meist nicht unter tierschützerischen sondern unter ökonomischen Bedingungen durchgeführt, d.h. dass möglichst viele Welpen auf kleinstem Raum zusammengepfercht werden. Viele der Welpen überleben den Transport erst gar nicht und die, die ihn überleben, sind durch den Transportstress in ihrer Resistenz gegen Krankheiten stark herabgesetzt. Der Käufer eines solchen Welpen kauft somit mit größter Wahrscheinlichkeit einen kranken oder krankheitsanfälligen und/oder verhaltensgestörten Problemhund. Der vermeintliche Gewinn durch den günstigen Kaufpreis wird dann von den notwendigen Tierarztkosten um um ein Vielfaches übertroffen.

4. Im Tierschutzhaus

Tierschutzhäuser sind eine wunderbare und notwendige Einrichtung und es ist grundsätzlich wichtig und zu begrüßen wenn Hunde, die aus was immer für Gründen im Tierschutzhaus gelandet sind ein neues Zuhause finden. Nichtsdestoweniger sollte jeder der sich einen Hund aus dem Tierschutzhaus holt auch wissen was möglicherweise für Probleme auf ihn zukommen. Grundsätzlich gelten für Tierheime ähnliche Überlegungen wie für Tierhandlungen. Auch hier weiß man über die Herkunft des Hundes wenig bis gar nichts und auch Tierschutzhäuser sind notgedrungener maßen Umschlagplätze für Infektionskrankheiten. Dazu kommt dass die meisten Hunde die im Tierschutzhaus landen Erfahrungen und Erlebnisse hinter sich haben die ihre Eingliederung in eine neue Familie nicht gerade einfach machen. Speziell bei großen Hunden kann es dann passieren, dass die neuen Besitzer nicht mit ihnen fertig werden und der Hund wieder im Tierschutzhaus landet. Damit ist weder dem Hund noch dem Hundehalter genützt.

Die Aufnahme eines Hundes aus dem Tierschutzhaus sollte daher in jedem Fall gut überlegt werden und speziell Hundeneulinge sollten sich bei der Auswahl eines Hundes aus dem Tierschutzhaus von erfahrenen Kynologen beraten lassen. Ein gut geführtes Tierschutzhaus bietet die notwendige Beratung und wird auch mal von der Aufnahme eines Hundes abraten wenn zu befürchten ist dass der Hund und die Interessenten nicht zueinander passen.
Wie bekommt man einen möglichst gesunden Hund ?


Die Gesundheit unserer Hunde ist durch eine Vielzahl von Krankheitsursachen gefährdet die teilweise genetisch bedingt sind und teilweise aus der Umwelt stammen. Umweltbedingte Erkrankungen sind z.B. Infektionskrankheiten, Vergiftungen, ernährungsbedingte Krankheiten etc..

Genetisch bedingte Erkrankungen stellen heute einen Großteil der Erkrankungen speziell beim Rassehund aber auch beim Mischling dar. Seriöse Zuchtverbände tun zwar recht viel zur Bekämpfung dieser Erkrankungen, deren spezielle genetische Grundlagen machen eine erfolgreiche Bekämpfung allerdings sehr schwierig. Auch ein seriöser Züchter kann daher dem Welpenkäufer niemals garantieren dass der Welpe, den er ihm verkauft, sein ganzes Lebens lang gesund bleiben wird. Der Käufer kann allerdings durch gezieltes Fragen an den Züchter das Risiko einen Hund mit einem genetischen Defekt zu kaufen reduzieren.

Die genetisch bedingten Erkrankungen beim Hund kann man in zwei Gruppen teilen:

1. Erkrankungen, die in direktem Bezug zum Rassestandard stehen.

Die zu dieser Gruppe zählenden Erkrankungen gehören mit zu den traurigeren Kapiteln der Mensch-Hund-Beziehung. Denn menschliche Sensationslust hat dazu geführt dass so gut wie jede halbwegs lebensfähige Variante der Tierart Hund die durch zufällige Mutationen entstanden ist weitergezüchtet und als Rasse kultiviert wurde. Auf dieser Basis kam es zu der enorm großen Variation innerhalb der Art Hund die wir heute kennen und auf dieser Basis auch zu vielen Erkrankungen mit denen Hunde der betreffenden Rassen belastet sind. Entschließt man sich zum Kauf eines solchen Hundes, kauft man die entsprechende Krankheit bzw. Krankheitsdisposition gleich mit. Entscheidet man sich dennoch zu einem Hund einer solchen Rasse sollte man beachten dass Hunde die als besonders typvoll bezeichnet werden den entsprechenden Defekt besonders ausgeprägt tragen. So hat z.B. eine besonders typvolle Bulldogge eine besonders kurze Nase und damit besonders große Probleme mit der Atmung. Weniger typvolle Hunde sind somit im allgemeinen die gesünderen.

2. Erbkrankheiten, die unabhängig von Rassestandard auftreten.

Diese Erkrankungen sind beim Kauf nicht ganz so leicht zu vermeiden denn sie können unabhängig vom Rassestandard in jeder Rasse auftreten. Allerdings sind auch bei solchen Erkrankungen Häufungen in bestimmten Rassen bekannt, so dass es in jedem Fall sinnvoll ist, sich zu informieren welche bei der Rasse für die man sich interessiert bekannt sind. Die Zuchtstrategien, die zur Bekämpfung von in einer Rasse bekannten Erkrankungen eingesetzt werden, sind auch innerhalb der dem öKV angeschlossenen Rassezuchtverbände ziemlich uneinheitlich. Besonders schwierig wird es wenn es sich um Erkrankungen handelt deren Verbreitung in einer Rasse noch nicht in einem Maß gegeben ist dass der Zuchtverband Handlungsbedarf für Bekämpfungsmaßnahmen sieht.

Die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung von genetisch bedingten Erkrankungen und damit auch die Probleme bei der Auswahl eines Welpen ergeben sich auf der Basis verschiedener Probleme:

- Rezessive Genwirkung der meisten Defektgene:

Die meisten Defektgene verhalten sich rezessiv gegenüber dem Normalgen. Sie führen daher nur dann zum sichtbaren Defekt wenn sie homozygot, also in doppelter Dosis auftreten. Tiere, die ein Defektgen nur in einfacher Dosis tragen, erscheinen im Phänotyp, dem äußeren Erscheinungsbild gesund, geben aber an die Hälfte ihrer Nachkommen das Defektgen weiter. Wenn der andere Elternteil das Defektgen ebenfalls in einfacher Dosis trägt kann es bei einem oder mehreren Nachkommen zum Auftreten des Defektgens in doppelter Dosis und somit zum Auftreten des Defekts kommen. Gesunde Elterntiere können also kranke Nachkommen bekommen. Hat ein gesundes Elterntier aber bereits einmal einen oder mehrere kranke Nachkommen bekommen ist es als Träger des entsprechenden Defektgens identifiziert. In so einem Fall ist die Gefahr, dass in einem weiteren Wurf wieder kranke Nachkommen auftreten natürlich relativ groß.

Beabsichtigt man den Kauf eines Welpen einer Rasse bei der bestimmte Erbfehler gehäuft auftreten sollte man sich daher sehr genau nach bereits vorhandenen Nachkommen der Elterntiere erkundigen wobei der Informationswert umso größer ist je größer die Anzahl bereits vorhandener Nachkommen ist. Hat z.B. ein Rüde bereits 10 Würfe gezeugt bei denen kein einziger kranker Nachkomme aufgetreten ist (vorausgesetzt, dass alle Nachkommen in Bezug auf die betreffende Krankheit untersucht worden sind) ist die Wahrscheinlichkeit gering dass ein Nachkomme aus dem elften Wurf einen Defekt erbt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Defekte im Phänotyp der Nachkommen auftreten, steigt mit dem Grad der Verwandtschaft der Elterntiere. Je näher verwandt die Eltern miteinander sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit dass sie gleiche Defektgene tragen und an ihre Nachkommen weitergeben. Bei der Auswahl eines Welpen ist also auch die Verwandtschaft zwischen den Eltern zu beachten wobei sich der Grad der Verwandtschaft aus der Zahl der gleichen Ahnen in den Pedigrees der Eltern abschätzen lässt. Je mehr Ahnen sowohl im Pedigree des Vater als auch in dem der Mutter auftreten, umso enger sind die beiden Tiere miteinander verwandt.

- Umweltbeteiligung an der Ausprägung der Defekte:

Sehr viele genetische bedingte Erkrankungen werden als Disposition vererbt. Der Welpe kommt also nicht mit der Krankheit selber auf die Welt sondern nur mit einer erhöhten Bereitschaft zu erkranken wenn er mit entsprechenden Umweltverhältnissen konfrontiert wird. Die Krankheit selber kommt nur dann zustande wenn ein genetisch disponierter Hund entsprechenden belastenden Umweltverhältnissen ausgesetzt wird. So kommt z.B. ein Hund mit normalen Hüftgelenken auf die Welt. Erst durch verschiedene Umweltbelastungen im Laufe der ersten Lebenswochen und -monate (zu intensive Fütterung, zu viel bzw. ungünstige Bewegung) kommt es bei genetisch disponierten Hunden zu Fehlentwicklungen im Bereich der Hüftgelenke die schließlich zu einer Hüftgelenksdysplasie führen. Lebt ein genetisch disponierter Hund unter optimalen Umweltbedingungen kann es sein dass die Krankheit nie manifest wird. So günstig das für den betroffenen Hund ist, so ungünstig ist ein solcher Fall für die züchterische Selektion. Denn dieser Hund wird möglicherweise als scheinbar gesund in der Zucht eingesetzt und gibt somit an alle seine Nachkommen seine Defektgene weiter. Die Wahrscheinlichkeit dass seine Nachkommen die betreffende Krankheit dann tatsächlich bekommen, wenn sie unter entsprechend ungünstigen Umweltbedingungen gehalten werden ist somit sehr groß. Bei manchen Erbkrankheiten ist es möglich, durch bestimmte standardisierte Untersuchungen die Disposition für eine Erbkrankheit auch dann zu erkennen wenn der Hund noch keine klinischen Symptome zeigt. So ist es z.B. möglich durch eine Röntgenuntersuchung Veränderungen am Hüftgelenk bereits zu einem Zeitpunkt festzustellen zu dem der Hund äußerlich noch keinerlei Anzeichen einer Hüftgelenksdysplasie zeigt.

In fast allen Zuchtverbänden von Rassen in denen Hüftgelenksdysplasie ein Problem darstellt werden Hunde nur dann zur Zucht zugelassen wenn sie einer Röntgenuntersuchung unterzogen worden sind und einen, allerdings je nach Rassezuchtverband unterschiedlichen, HD-Befund aufweisen. So bekommt bei manchen Zuchtverbänden nur ein HD-freier Hund eine Zuchterlaubnis, bei anderen wird auch mit Hunden mit HD-Übergangsform, bei manchen sogar mit leichter HD gezüchtet. Man sollte sich also bei der Auswahl eines Welpen nicht mit der Auskunft zufriedengeben dass die Eltern die HD-Anforderungen des Zuchtverbandes erfüllen sondern nach dem genauen HD-Befund fragen, sich allenfalls sogar den HD-Befund der Eltern zeigen lassen.

Neben der Hüftgelenksdysplasie gibt es eine Reihe anderer genetisch bedingter Erkrankungen, für die Untersuchungsmöglichkeiten etabliert sind. Besonders günstige Bedingungen für den Hundekäufer liegen vor, wenn eine Erkrankung bereits im Welpenalter eindeutig diagnostiziert werden kann. So ist es z.B. möglich eine bestehende Taubheit bereits ab einem Alter von etwa 7 Wochen durch eine audiometrische Untersuchung festzustellen. Entscheidet man sich für eine Rasse bei der Taubheit gehäuft auftritt kann man vor dem Kauf des Welpen eine entsprechende Untersuchung verlangen.

- Manifestation der Erkrankung erst in späterem Alter:

Einige genetisch bedingte Erkrankungen, und hier vor allem wieder die Dispositionserkrankungen, manifestieren sich erst in einem Alter in dem der betroffene Hund bereits im Zuchteinsatz war. Die Diagnose der Erkrankung wird also zu einem Zeitpunkt gestellt zu dem der kranke Hund bereits eine mehr oder weniger große Anzahl von Nachkommen gebracht hat. So gibt es z.B. eine genetisch bedingte Erkrankung der Herzklappen, die bei den betroffenen Tieren zu Leistungsminderung, Kreislaufinsuffizienz und frühzeitigem Tod führt. Junge betroffene Tiere sind im allgemeinen klinisch unauffällig und werden daher ohne Bedenken zur Zucht eingesetzt. Mit etwa 5 bis 6 Jahren, wenn der Defekt sich klinisch manifestiert und die Symptome für den Besitzer erkennbar werden, hat der Hund seine Defektgene bereits an seine Nachkommen weitergegeben was besonders folgenschwer ist wenn es sich um einen züchterisch viel genutzten Champion handelt. Sowohl in Bezug auf die züchterische Selektion als auch auf die Welpenauswahl empfiehlt sich in einem solchen Fall die züchterische Nutzung von Hunden die in fortgeschrittenem Alter noch gesund sind bzw. die Auswahl eines Welpen aus einer Paarung von älteren noch gesunden Elterntieren.

Leider wird von den meisten Zuchtverbänden der Zuchteinsatz von Hunden ab einem bestimmten Alter nicht mehr zugelassen. Damit benimmt sich der Zuchtverband der Möglichkeit der Selektion auf Langlebigkeit und langfristige Gesundheit.

- Unzureichender Informationsfluss über Defekte, die in einer Rasse oder Familie auftreten:

Dies ist wohl eines der größten Probleme, einerseits im Rahmen einer erfolgreichen züchterischen Bekämpfung von Erbkrankheiten und anderseits auch bei der Auswahl eines möglichst gesunden Hundes. Die Beziehung eines Züchters zu seinem Hund ist im allgemeinen keine rationale sondern eine sehr stark emotional gefärbte. Die Erkenntnis eines genetischen Defektes bei seinem Hund selber oder bei dessen Nachkommen wird oft als persönlicher Makel empfunden und daher, wenn möglich, verschwiegen. Dazu kommt, dass die Durchführung standardisierter Untersuchungen fast immer mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden ist der von einem Hundebesitzer immer nur dann in Kauf genommen wird wenn er den Befund der betreffenden Untersuchung für die Zuchtzulassung seines Hundes braucht. Hundebesitzer die mit ihrem Tier nicht züchten wollen sind in den meisten Fällen nicht bereit ihren Hund einer Untersuchung zu unterziehen. Damit sind leider viele Familiendaten zu bestimmten Defekten für eine wirklich sichere Aussage bezüglich der Vererbung unzureichend.


Welchen Welpen sollte man auswählen ?


Bevor man sich für einen Welpen entscheidet sollte man sich die Mutterhündin und wenn möglich auch den Vater genau anschauen und eine Weile beobachten. Dabei ist einerseits auf Bewegungsanomalien und Lahmheiten sowie auf weitere auffallende Exterieur- oder Gesundheitsschäden zu achten. Auch wenn Zuchttiere z.B. bei der HD-Untersuchung mit 12 Monaten als HD-frei befundet worden sind können sich im Laufe der Zeit degenerative Veränderungen ergeben deren genetische Grundlage an die Nachkommen vererbt wird. Anderseits sollte man auch das Verhalten der Eltern beobachten. Verhaltensstörungen und Wesensfehler entwickeln sich zwar in den meisten Fällen auf der Basis einer nicht oder schlecht funktionierenden Mensch-Hund-Beziehung, einzelne Wesensmängel wie z.B. eine niedrige Reizschwelle oder Temperamentfehler können aber von den Eltern an die Nachkommen vererbt werden. In manchen Fällen dient die Mutterhündin auch als Vorbild für die Welpen und Fehlverhalten der Mutter wird von den Welpen nachgeahmt.

Bei der eigentlichen Auswahl eines Welpen aus einem Wurf sollte man sich nicht von der klassischen und weit verbreiteten Meinung leiten lassen dass der dickste Welpe auch der gesündeste ist. Speziell bei den Rassen die für Gelenkserkrankungen besonders disponiert sind ist eigentlich fast das Gegenteil der Fall. Denn jedes Gramm Fett das ein Welpe mit sich herumtragen muss belastet die speziell im Wachstum besonders empfindlichen Gelenke im Übermaß und begünstigt degenerative Veränderungen. So wichtig eine ausreichende und ausgewogene Fütterung der Welpen ist, so schädlich ist eine übermäßige Fütterung. Leider sehen es viele Züchter als ihren persönlichen Ehrgeiz an, möglichst dicke und runde Welpen herzeigen zu können.

Bei der Auswahl eines Welpen spielt natürlich auch gegenseitige Sympathie eine Rolle. Wer kann schon einem Fellknäuel, das freudig auf einen zuläuft widerstehen. Meist ist man aber gut beraten wenn man die Auswahl dem Züchter überlässt. Der kennt seine Welpen am besten und kann im allgemeinen ganz gut abschätzen welcher Welpe zu welchem Interessenten passt.


Zusammenfassung


Der Weg zum Wunschhund

1. Auseinandersetzung mit der Rasse der Wahl
* liegt ein tierschützerisch bedenklicher Rassestandard vor - wenn ja mit welchen gesundheitlichen Problemen ist zu rechnen
* welche Erbfehler und Erbkrankheiten können bei Hunden dieser Rasse auftreten
* welche Wesens- und Charaktereigenschaften sind bei Hunden dieser Rasse zu erwarten (was war der frühere Verwendungszweck der Rasse)

2. Kontaktnahme mit einem Rassezuchtverband
* welche Selektionsmaßnahmen gegen Erbfehler werden im Rahmen des Verbandes durchgeführt
* welche Anforderungen muss ein Hund erfüllen, um zur Zucht zugelassen zu werden
* bei welchen Züchtern sind zur Zeit Welpen zu vergeben oder zu erwarten

3. Kontaktnahme mit Züchtern
* Gesundheitsstatus der Wurfeltern prüfen (nach Möglichkeit genaue Befunde erfragen oder sich zeigen lassen)
* Gesundheitsstatus von früheren Nachkommen der Eltern und/oder von früheren Vorfahren prüfen
* Hündin und Rüden anschauen und nach Möglichkeit längere Zeit beobachten (achten auf Bewegungs- und Verhaltensanomalien)
* Zwinger anschauen (Aufzuchtbedingungen für die Welpen prüfen)

4. Aussuchen des Welpen.

Autor:
A.Univ.Prof.Dr.med.vet.
Irene Sommerfeld-Stur